
Um den kommenden Schulabgänger-Jahrgängen ein Studium zu ermöglichen und zugleich den höheren Anforderungen an Betreuung und Qualität in den neuen Bachelor-Studiengängen gerecht zu werden,
benötigten die Hochschulen in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld, sagte die HRK-Präsidentin. "Wir rechnen zum erwarteten Höhepunkt des Bewerberandrangs im Jahr 2013 mit einem jährlichen Mehrbedarf von 3,4 Milliarden Euro gegenüber heute." Allein im nächsten Jahr seien schon Mehrausgaben von 600 Millionen Euro nötig.
Wintermantel begrüßte die Bemühungen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), sich mit den Ländern über einen "Hochschulpakt 2020" zu verständigen, mit dem zusätzliche Studienplätze für die starken Jahrgänge geschaffen werden sollen. Die HRK-Präsidentin wünscht sich, dass es zügig zu einem angemessenen Abschluss kommt.
Das Sparpotenzial an den deutschen Hochschulen sei ausgereizt, sagte Wintermantel. "Wir haben uns in den vergangenen Jahren bemüht, jede freie Ressource zu aktivieren". Dies gelte selbst für die Sachkosten im Hochschulbetrieb. "Es wird weniger geheizt und geputzt. Handwerkerleistungen wurden ausgegliedert." Aber jetzt sei ein Ende der Möglichkeiten erreicht. "Die Hochschulen sind zu wichtig, um zu verkommen."
"Unser Ziel ist es, für alle jungen Menschen, die studieren wollen und dazu die Fähigkeiten mitbringen, Studienplätze zur Verfügung zu stellen", sagte Wintermantel. Die HRK werde in Kürze dazu ein Konzept
vorlegen. "Darin werden wir unter anderem Maßnahmen vorschlagen, die eine bessere Verteilung der Studierenden auf die Hochschulen fördern könnten." Dabei gehe es auch um den Erhalt von Studienplätzen in den ostdeutschen Bundesländern. Weitere Elemente des Konzepts seien
"Vorziehprofessuren", die eine zeitweise Doppelbesetzung von Professorenstellen ermöglichten, die Schaffung eines neuen Typs von Hochschullehrern mit erhöhter Lehrverpflichtung ("Lecturers") und
Rahmenbedingungen für die Studenten, die ihr Studium in Teilzeit absolvieren wollten.
Interview: Karl-Heinz Reith
Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Presse-Agentur