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15./16.9.2005, Wildau: "Qualitätsmanagement - Was können Hochschulen von der Wirtschaft lernen?"

Zum 6. Workshop des Projekts Qualitätssicherung aus der Reihe “Von der Qualitätssicherung der Lehre zur Qualitätsentwicklung als Prinzip der Hochschulsteuerung” waren 120 Teilnehmer nach Wildau gekommen, um über verschiedene aus der Wirtschaft stammenden Verfahren des Qualitätsmanagements und ihre Übertragbarkeit auf Hochschulen zu diskutieren. Die Tagung verfolgte das Ziel, entsprechende Initiativen einem breiteren Kreis von Hochschulangehörigen vorzustellen. Nur wenige Hochschulen oder Fakultäten haben ein umfassendes Qualitäts-Management-System etabliert, und die einzelnen erfolgreichen Beispiele stießen demnach auf großes Interesse.
An den Hochschulen vielfach isoliert vollzogene Einzelmaßnahmen zur Qualitätsverbesserung können - nach einer gewissen Anpassung - in einem solchen System in transparenter Weise in ein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept eingebunden werden.

Die Bedeutung eines Gesprächs zwischen Wirtschaft und Hochschulen zu Fragen des Qualitätsmanagements wurden von Staatssekretär Dr. Krüger aus dem brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft und der brandenburgischen Ministerin für Bildung und Vorsitzenden der KMK, Professor Johanna Wanka, hervorgehoben.
In seinem Eröffnungsvortrag stellte der Prorektor der FH Heidelberg, Professor Gustav Rückemann, dar, wie sich die Hochschule nach einer Zertifizierung nach ISO 9001 in den letzten Jahren auf ein umfassendes Qualitätsmanagement System zubewegt hat.
Danach wurden drei Beispiele aus der privaten Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung vorgestellt. Dr. Norbert Wagener (Wagener&Herbst, Potsdam) ging auf die erheblichen Leistungsverbesserungen im öffentlichen Nahverkehr durch den Einsatz von Q-Management in den letzten Jahren ein, Peter Haeberer (Landeskriminalamt Berlin) stellte Methoden dar, wie alle Mitarbeiter einer großen Behörde einzubeziehen sind, Theo Tanneberger (Daimler Chrysler Berlin) kam auf die Nachhaltigkeit eines Q-Management zu sprechen.
Professor Gerd Stegemann stellte am Beispiel der TFH Wildau die wesentlichen Chancen durch ein Qualitätsmanagement System dar. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag eines Systems des Qualitätsmanagement erwogen. Die Diskutanten waren einhellig der Auffassung, dass ein Qualitätsmanagementsystem nur in einem längeren Prozess eingeführt werden kann und ein klares Engagement auf Leitungsebene voraussetzt.

Im ersten der drei Workshops wurden von Harald Bietendüwel und Professor Johann Janssen IT-Tools und ihre Rolle im System des Qualitätsmanagements vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die eingesetzten IT-Tools nicht das Qualitätsmanagement steuern, sondern vor allem der graphischen Präsentation der Geschäftsprozesse im Intra- bzw. Internet dienen. Der Wert einer solchen Prozessdokumentation für den Benutzer ergibt sich u.a.  aus  der kontextabhängigen Verlinkung der Prozessschritte mit den entsprechenden Formularen und anderen unterstützenden Dokumenten. Der Zugang zu dieser webgestützen Dokumentation muss personalisiert erfolgen. Ein solcherart aufgebautes System kann für die Anwender (Studenten, Dozenten, Mitarbeiter) einen unverzichtbaren Nutzwert haben.
Im zweiten Workshop ging es um die Einführung des Q-Management. Professor Christine Süß-Gebhard (FH Regensburg) berichtete von der umfassenden Initiative an der FH Regensburg und die positiven Wirkungen in den letzten Jahren. Sie zeigte dabei allerdings auch die Grenzen der Akzeptanz an der Hochschule auf. Carsten Wiedemann (TU Braunschweig) berichtete von der Zertifizierung eines Instituts an der TU Braunschweig. In der Diskussion wurde betont, dass Qualitätsmanagement sowohl an einer kleineren Einheit der HS als auch in einem hochschulweiten Konzept sinnvoll sei, es in jedem Fall aber der Unterstützung der HS-Leitung bedürfe.
In dem dritten Workshop wurden von Professor Marina Schlünz (FH Hannover) und Dr. Hermann Wehr (RWTH Aachen) die Bedeutung einer dauerhaften Implementierung eines Q-Managements dargestellt und diskutiert. Besonders wichtig seien hierfür die Festlegung von Qualitätsverantwortlichkeiten und die Installation eines Feedbacksystems. Besonders hervorgehoben wurde von beiden Referenten, dass Q-Management ein Teil des Alltagsgeschäfts einer Hochschule werden müsse und insofern in Zukunft auch die bisher noch parallel angewandten Methoden der Akkreditierung und der Evaluation zu einem umfassenden Modell des Q-Managements zusammenwachsen müssten.
In der abschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass durch ein sorgfältiges Q-Management an jeder Hochschule erhebliche Verbesserungspotentiale gesehen werden können. Die Rahmenbedingungen (so die Möglichkeit der leistungsbezogenen Besoldung, Einführung von Studiengebühren, Globalhaushalte der HS) werden die Möglichkeiten für Qualitätsmanagement-Systeme tendenziell verbessern. Insofern werden die auf der Tagung besprochenen Ansätze in Zukunft von größerer Bedeutung sein als dies heute der Fall ist. Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung können Sie den Beiträgen entnehmen.

Programm 

Fotos

Einführung 
Beitrag Rückemann

Praxisbeispiele aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung
Beitrag Wagener 
Beitrag Haeberer
Beitrag Tanneberger

Anwendung in einer Hochschule
Beitrag Stegemann

Workshop 1: Nutzen von IT-Tools des QMS an HS (Verfahren, Instrumente)
Beitrag Janssen

Workshop 2: Umsetzung des QM
Beitrag Wiedemann
Beitrag Süß-Gebhard

Workshop 3: Follow-up und nachhaltige Entwicklung einer QM-Kultur
Beitrag Wehr
Beitrag Schlünz