
In seinem einleitenden Vortrag plädierte Herr Professor Teichler dafür, statt von einer "Qualitätskultur" von einer "Evaluationskultur" zu sprechen, da nur diese ein systematisches Nachdenken über Bedingungen, Prozesse und Auswirkungen von Programmen und Aktivitäten fördern würde. Während er auf der einen Seite Fortschritte in der Abstimmung von Evaluation und Steuerung und bei dem Ergreifen von Maßnahmen zur Verbesserung feststellte, gibt es seiner Meinung nach auch einige Dauerprobleme wie die Notwendigkeit Evaluationssysteme immer wieder neu anzupassen und der wachsende Abstand zwischen professionellen und weniger professionellen Evaluierern.
Anschließend nahmen die Referenten zu beiden Verfahren in zwei Streitgesprächen ausdrücklich Stellung.
Herr Professor Daniel begründete seine Pro-Haltung gegenüber Peer-Review-Verfahren mit ihrer hohen prognostischen Validität, die die empirische Forschung belegt hätte. Er betonte auch die breite Anwendungsmöglichkeit, da Peer-Review-Verfahren heute für die Begutachtung der Qualifikation von Studienbewerbern, der Qualität von Forschungsvorhaben, der Publikationswürdigkeit von Zeitschriftenmanuskripten und von Studienprogrammen Anwendung finden.
Herr Professor Fröhlich bezog sich mit seiner Kritik an Peer-Review Verfahren hauptsächlich auf die Publikationswürdigkeit von Zeitschriften. Den Reformbedarf des Verfahrens begründete er mit den zahlreichen Fehlurteilen von Gutachtern und des häufigen wissenschaftlichen Fehlverhaltens.
Herr Professor Titscher vertrat nach der Universitätsreform in Österreich eine Pro-Haltung gegenüber Leistungsindikatoren, allerdings unter folgenden Voraussetzungen:
Leistungsindikatoren sollten nur einen geringen Anteil der Budgetzuweisung direkt bestimmen. Ihre Orientierungsleistung sollte im Vordergrund stehen und die politische Zielsetzung sollte offen gelegt werden.
Herr Professor Schimank betonte in seiner Contra-Positionierung, dass häufig entweder zu wenig oder zu viele Indikatoren eingesetzt würden und wies auf die Gefahr hin, dass Indikatoren opportunistische Anpassungseffekte hervorrufen könnten. Als adäquat empfahl er Leistungsindikatoren nur, wenn sie in einem Set mit einem Peer Review-Verfahren und anschließenden Zielvereinbarungen kombiniert würden.
Bezogen auf den Bereich "Leistungsmessung in der Forschung" wurde von den Referenten übereinstimmend betont, dass Forschungsevaluation sich immer mehr zum wesentlichen Bestandteil eines profilorientierten Qualitätsmanagements in der Hochschule entwickeln würde. Empfohlen wurde eine Kombination aus Peer-Review und Indikatoren basierten Verfahren zu „informed Peer Review“-Verfahren. Zur weiteren Verbesserung des Verfahrens wurde eine professionelle Begleitung der Peers gefordert.
In dem Forum zur "Leistungsmessung in der Lehre" stellten zwei Agenturen, die evalag aus Baden-Württemberg und die niederländische NVAO ihren Umgang mit Indikatoren und Peer Review-Verfahren vor. Es wurde deutlich, dass hier stärker als bei der Forschung die Instrumentarien weiter entwickelt werden müssen, um vor allem bei der Berücksichtigung von Indikatoren zu einem routinemäßig einsetzbaren Verfahren zu gelangen.
Insgesamt gab es einen starken Konsens unter den Referenten und Teilnehmern, dass sich durch die Kombination von Peer-Review und Leistungsindikatoren die Schwächen des jeweiligen Verfahrens ausgleichen lassen.
Weitere Informationen zu der Veranstaltung können Sie den Beiträge der Referenten entnehmen.
Programm
1. Tag:
Teichler
Daniel
Fröhlich
Titscher
Schimank
2. Tag:
Hornbostel
Schiene
Bekhradnia
Peter
Pasternack
Schreier
Weber